
Vorweg, die Arosianer malen alles Mögliche in Blau-Gelb an, hier zwei Beispiele:

Diese Farben sind im Wappen von Arosa und sollen die Sonne am blauen Himmel über zwei Bergspitzen symbolisieren und warum dies so ist, durfte ich die letzten zwei Tage erfahren. Nach der regnerischen Hinfahrt klarte der Himmel gegen Mittag immer mehr auf und startet heute den Tag in Hellblau mit goldener Sonne, nur ein paar Quellwolken trübten noch das Bild. Als Beweis wieder mal ein Foto … traumhaft, so den Tag zu beginnen.

Untergebracht bin ich im Drei-Sterne-Hotel Altein, welches über einen Wellness- und Massagebereich verfügt. Leider konnte ich diesen aus Zeitgründen noch nicht nutzen. Die Mahlzeiten sind sehr umfangreich und total lecker. Gut gestärkt geht es ins Fahrerlager, von wo aus ich meine heutigen Aufgaben zugeteilt bekomme. Michel teilt mich für Fanartikel und Ticketverkauf im Zielbereich ein. Hier kann ich die anstehenden Trainingsläufe bestens beobachten.

Meine erste Aufgabe besteht darin, Klebeband und Informationsplakate auf die gegenüberliegende Tribüne zu liefern. Dies ist nur durch eine Holzbrücke möglich, Arosa ist in Ost und West unterteilt
Gut das ich nun drüben bin, von hier aus kann ich die Aufstellung für die Überführung nach Langwies aus guten Winkel im Bild festhalten. In Langwies startet dann das erste Training (s. Foto ganz oben).
Porsche dominiert in beiden Trainingssitzungen das Feld, die genauen Zeiten könnt ihr unter www.sportstiming.ch nachschauen. Weitere Informationen zum ClassicCar findet ihr unter arosaclassiccar.ch.
Für die Rennbegeisterten, welche nach und nach die Tribünen und abgesperrten Bereiche füllen, gibt es am Fanartikel-Stand die passende Ausrüstung. Poloshirts, Schirmmützen, Anstecker und Fähnchen mit ClassicCar-Schriftzug werden zahlreich erworben.

Gegen Mittag sind die ersten Trainingsläufe der drei Gruppen beendet. Mein Dienst an der Ziellinie ist nun beendet und ich flaniere an den Rennbegeisterten vorbei ins Fahrerlager. Nun kommt für mich persönlich eines der Highlights des Aufenthalts, die Fahrt in einem Renntaxi nach Langwies im Überführungstempo und danach zurück nach Arosa im “80% Renntempo”. So drückt es mein Fahrer Raffi Bader aus, der Sieger des Porsche Super Sports Cup 2009. Er möchte bald im Porsche Super Cup an den Start gehen und in naher Zukunft den Aufstieg in die DTM schaffen.
Auf der Piste
Da es meine erste Fahrt in einem Rennwagen ist, auch wenn es “nur” ein 380 PS starker Porsche Carrera S4 ist, wie Raffi Bader meinte, musste ich mich mit einer Hand an der Beifahrertür festkrallen. Der Porsche ist ein Serienauto ist und besitzt keine Mehrpunkt-Sicherheitsgurte. Also Talent hat der 23-Jährige, so wie er das Arbeitsgerät durch die Kurven manövriert … sein Weg könnte ihn wirklich in die DTM führen. Trotz PS-stärkerer Vorausfahrer haben wir Zeit gut gemacht. Dies habe ich anhand von Videos ermittelt, die ein Streckenposten für mich gemacht hat.
Es war schon ein fantastisches Gefühl, so durch die Kurven zu rutschen, nicht vergleichbar mit den Adrenalin-Ausschüttungen an einer Playstation3. So ein Bergrennen hat wirklich einen besonderen Charme. Ich denke nicht, dass man so etwas auf einer Rennstrecke erleben kann. Den 100 Meter tiefen Abgrund um Millimeter schrammen, Wahnsinn. Kaum angekommen, bettele ich Fabienne an, dass Sie mich, wenn noch Plätze freibleiben sollten, ruhig nochmal einplanen darf – das war natürlich nur zum Spaß dahin gesagt, aber ich würde jederzeit wieder mitfahren.
Bei der Renntaxi-Fahrt habe ich die Gewinnerin der Reise nach Arosa kennengelernt, Gertraud aus Ingolstadt. Ihr Mann hat es sich auf der Fahrt im weißen Porsche hinter mir gemütlich gemacht.

Nach dem Dienst hatte ich die Wahl: die zweiten Trainingsläufe der zweiten und dritten Gruppe verfolgen oder das schöne Wetter genießen und die Umgebung von Arosa erkunden. Ich entschließe mich angesichts des tollen Wetters für Letzteres, da ich ja noch zwei volle Tage das Renngeschehen beobachten kann. Hätte ich vorher gewusst, was ich mir da wirklich vorgenommen habe, wer weiß.
Also ging ich ins Hotel und packte meine Sachen, um mich dann an die Gipfelerstürmung des Weisshorns zu machen, mit 2.653 Metern der größte zu erwandernde Gipfel der Umgebung.

Die ersten Reaktionen, nachdem ich meinen Ausflug ankündigte: “Warum fährst du nicht mit dem Lift, du hast doch All Inklusive”. Ihnen sei gesagt, es ist nicht das Gleiche einen Berg auf die Art zu erreichen
Und so hoch sieht das doch gar nicht aus! Um 14:45 Uhr marschierte ich los.
Naja, ich wurde eines Besseren belehrt, aber es hat sich dennoch gelohnt, die Luft wurde dünner, die Atmung kürzer und das Wasser leerer … nach 100 Höhenmetern. Bin ich schon da? “Nein, bist du nicht”, wollte mir das Huftier wohl vermitteln.

Nach etlichen Höhenmetern mehr und einigen Gesprächen mit herabsteigenden Wanderern wusste ich, in welcher Richtung ich am schnellsten zur Spitze gelangen würde. Die Sattelhütte auf 2.400 Metern war mein erstes Ziel. Bei etwa 2.200 Metern überholte mich ein Triathlon-Duo. Hätten die ihre Fahrräder noch huckepack getragen, hätte ich wohl vorzeitig aufgegeben. Mann, fühlte ich mich alt.
Aber auf dem Abstieg, den Sie natürlich vor mir antraten, antworteten Sie mir im Vorbeigehen, dass Sie den Marsch regelmäßig machen, um fit zu bleiben. Als Flachländer dürfe man ruhig zwei Stunden brauchen, ergänzten Sie. Ich lag also gut in der Zeit, um 16:50 Uhr traf ich oben ein, wanderte durch das Lokal und fragte, wo es wieder runtergeht. “Na auf dem gleichen Weg, auf dem ich herkam”, antwortete mir die Kellnerin. Ein Gast sagte nur, dass die nächste Gondel in zehn Minuten runterfahren würde. Kopfschüttelnd leerte ich mein Wasser und ging auf der gegenüberliegenden Seite raus. Da musste es doch auch runtergehen, zweimal derselbe Weg ist doch langweilig. Gesagt, getan, ein Pärchen lichtete mich noch kurz ab und nun ging es runter, oh meine Güte, ist das tief. Auf der anderen Seite sah man auch Chur, ganz tief im Tal.

Der Abstieg über die Carmennahütte war um einiges steiler und gefährlicher, herauf hätte ich hier definitiv nicht gewollt. Durch kleine Serpentinen konnte man das Gelände abwärts bewältigen, meine Knie-Innenbänder bedankten sich nach einigen hundert Metern. Aber auch diese Anstrengung lohnte sich. Denn ich habe dann endlich doch noch das gefunden, was ich mir bei Antritt vorgenommen habe, eine Siedlung Erdmännchen, ehm Mümmelmänner, ach ne, das sind Murmeltiere, irgendwie sehen die sich alle ziemlich ähnlich. Ich konnte mich bis auf einige Meter annähern und sehr gute Fotos machen. Die störte das nicht wirklich. Och nee, was sind die süüüüüßßß.

Steinböcke habe ich leider nicht mehr gesehen. Fabienne meinte, da Jagdsaison ist, haben sie sich alle ins Asyl verkrümelt, da ihnen dort nichts passiert. Dafür sah ich noch ein paar Steinkühe. Wo die überall rumkraxeln … bei uns stolpern die schon über den kleinsten Hubbel und hier stehen die am Hang, als hätten sie Spieße an den Füssen. Das ist dort steiler als es im Bild aussieht. Wahnsinn, da könnt ich nicht mal zwei Minuten stehen ohne abzurutschen. Auf dem Abstieg sah ich auch noch einen Traum von Haus. Meine Frau würde es lieben …

Punkt 19 Uhr traf ich wieder im Fahrerlager ein, natürlich war niemand Bekanntes mehr da und ich musste mein Feierabend-Bier alleine trinken. Ich trottete mit letzter Kraft ins Hotel und nahm noch mein vorzügliches Vier-Gänge-Menü ein. Nun haben wir 23 Uhr und ich werde ins Bett verschwinden. Um kurz vor Sechs klingelt wieder der Wecker … bis morgen!