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Lokführer Wolfgang: Der vierte Tag – Finale im Führerstand

9.58 Uhr: Traumjob-Finale bei Traumwetter. Ausgestattet mit der offiziellen Freigabe der RhB treffe ich mich mit Urs, dem Lokführer des Zuges 1129 von Chur nach St. Moritz. Auf dem Führerstand darf ich neben ihm Platz nehmen. Pünktlich wie immer bei der RhB geht es los auf der mir inzwischen gut bekannten Strecke Richtung Albula. Endlich sehe ich den Streckenverlauf aus Sicht des Lokführers (und nicht aus dem Seitenfenster…).

Anfangs gibt es ein Dreischienengleis bis zum Anschluss der Ems Chemie, einem grossen Chemiewerk westlich von Chur. Das Werk kann damit sowohl von der RhB (1.000 mm Spur) als auch von der SBB (Normalspur 1.435 mm) bedient werden. Weiter geht die Fahrt durch das wildromatische Rheintal, um dann nach Süden in Richtung der bis zu 4.000 m hohen Berge abzubiegen.

Im weiteren Verlauf befahren wir den mir von meinem Streckenläufer-Job bestens bekannten Anstieg zum Albula mit seinen vielen Tunnel und Viadukten. Aus dieser Sicht ist der Streckenverlauf noch spektakulärer als sonst. Permanent ändert sich der Verlauf – die Gleise winden sich förmlich das immer steiler werdende Tal hinauf, um schliesslich in den 5,5 km langen, schnurgeraden Albulatunnel zu münden.

Während der Fahrt erzählt Urs aus seinem abwechslungsreichen Leben als Lokführer. Ihm macht es ganz offensichtlich Spass, für die RhB zu fahren. Ständig wechselnde Strecken, Personen- wie auch Güterzüge, Erlebnisse aus Sommer und Winter mit dem mitunter vielen Schnee in dieser Hochgebirgsgegend. Und natürlich muss er geduldig meine vielen Fragen zu Strecke und Technik beantworten.

Nach dem Albulatunnel ändert sich die Landschaft schlagartig. Wir fahren auf einer Hochebene auf über 1.600 m NN, befinden uns damit rund 1.000 m oberhalb unseres Ausgangspunktes und nähern uns unserm Ziel St. Moritz (1775 m NN).

Wie im Flug sind die zwei Stunden Abenteuer auf der Lok vergangen – wirklich ein krönendes Finale der Traumjob-Woche bei der Rhätischen Bahn! Mit meinem Netzticket mache ich noch einen Abstecher nach Davos, das ich bisher nur vom Skilaufen kenne. Morgen geht es dann noch einen Tag Mountainbiken in die Berge.

Danke Graubünden Tourismus und hier insbesondere Marion, die mich perfekt betreut hat, Uwe für die journalistische Aufbereitung meiner Berichte und natürlich der Rhätischen Bahn für die abwechslungsreichen Einblicke in die Betriebsabläufe einer modernen und kundenorientierten Eisenbahn in der Schweiz!

Euer Wolfgang

Lieber Wolfgang, das hat total Spaß gemacht und ich musste ja wirklich fast gar nichts tun. Danke für die tollen Texte, noch viel Spaß in Graubünden und eine gute Heimfahrt! (uwe)

Lokführer Wolfgang: Der dritte Tag – Besuch im Nervenzentrum

Heute kann ich wieder ausschlafen. Nach reichhaltigem Frühstück breche ich mit der RhB auf zum Bahnbetriebswerk Landquart. Ich bin überrascht von der Grösse der Anlage. Hier befinden sich ein grosser Rangierbahnhof und das grössere von zwei Betriebswerken.
Pünktlich empfängt mich Rudi, verantwortlicher Teamleiter der Abteilung Wagenreinigung.

Zunächst zeigt er mir das ganze Werk, in dem die RhB ihr gesamtes rollendes Material (Wagen und Loks bzw. Triebwagen) wartet und repariert. Daneben gibt es eine Kooperation mit dem Fahrzeughersteller Stadler aus der Schweiz zur Endmontage von Fahrzeugen auch für fremde Bahnen, u.a. der Metro von Athen zu den Olympischen Spielen 2004.

Und dann sehe ich die Schätze der RhB, unter anderem drei Dampflokomotiven, die alle betriebsfähig sind und bei Sonderfahrten zum Einsatz kommen. Die Älteste stammt aus dem Jahr 1889 und ist damit sicher eine der ältesten betriebsfähigen Dampflokomotiven in Europa.

Keine Graffitis
Anschliessend beginnt mein eigentlicher Einsatz – Wagenreinigung innen und aussen. Auf Sauberkeit wird bei der RhB besonderer Wert gelegt. Auch ältere Wagen werden regelmässig auf Hochglanz gebracht. Graffitis sehe ich bei der RhB nicht (obwohl es sie auch geben soll) – angenehmer Unterschied zu den meisten Zügen in Deutschland! So endet der Vormittag als mehr oder weniger fester Bestandteil einer Putzkolonne, die sichtlich Spass an meinen amateurhaften aber immerhin ernsthaft betriebenen Putzfähigkeiten hat.

Mittags geht es weiter nach Klosters, einem mondänen Wintersportort. Hier erklären mir Fahrdienstleiter Christian Meyer und seine beiden Disponenten Rico und Ronaldo die tiefen Weihen der Zugleittechnik für den südlichen Teil des rund 330 Kilometer langen Streckennetzes der RhB. Dies ist quasi das Nervenzentrum der Bahn, in dem alle Zugbewegungen vollautomatisch koordiniert und gesteuert werden. Abgebildet wird das ganze auf zwei Arbeitsplätzen mit einer ganzen Batterie von Bildschirmen über- und nebeneinander.

Faszinierend, wie routiniert Rico und Ronaldo den ganzen Betriebsablauf überwachen und dabei noch kurzfristige Änderungen (etwa Güterzüge) und kurzfristige Streckensperrungen aufgrund von Bauarbeiten oder Streckenbegehungen und dergleichen einplanen. Hierbei ist zu bedenken, dass fast das gesamte Streckennetz einspurig ist, was bei der erheblichen Zugdichte zu einer Vielzahl von Zugkreuzungen führt.

Ein rundum gelungener Tag – Praxis gemacht und Theorie gesehen!

Euer Wolfgang

Lokführer Wolfgang: Der zweite Tag – „Heute gibt`s was auf die Füsse“

4 Uhr aufstehen – das ist hart. Immerhin organisiere ich mir einen Kaffee, um zumindest etwas wach zu werden. Mein Plan, am Bahnhof gleich Frühstück und Lunch zu organisieren, geht gründlich schief. 4.45 Uhr – die ersten Züge fahren schon, aber alle Läden und Bäckereien im an sich grossen Bahnhof (hier verkehrt auch die SBB) sind hermetisch verschlossen!

Also ohne Frühstück mit dem Zug Richtung Bernina. Unterwegs steigt mein heutiger Chef zu. Hans-Peter ist ein echtes RhB-(Rhätische Bahn) Urgestein. Jahrzehnte ist er im Dienst als Streckenläufer.

Im Preda auf 1788 m NN geht mein heutiger Job als Streckenläufer los, ausgestattet mit Warnweste und Taschenlampe. Es ist kalt, ich habe Hunger und Hans-Peter Mitleid mit mir.

Unser Weg führt zwölf Kilometer abwärts, entlang einer der eindrucksvollsten Streckenführungen der RhB. Mehrfach unterquert sich der Schienenstrang selbst, liegt in mehreren Etagen untereinander am Berghang und gegenüber, verbunden durch imposante Viadukte und (Kehr-)Tunnel. Das alles begehen wir heute bei nicht geringem Schienenverkehr – ja, auch die bis zu 700 m langen Tunnel!

Mich überkommt ein mulmiges Gefühl, auf den Gleisen zu laufen und dabei zu wissen, dass der nächste Zug naht. Aber Hans-Peter hat alles perfekt im Griff. Er kennt jeden Zug auswendig und fordert frühzeitig zum Verlassen des Gleises auf. Vor jedem Tunnel meldet er sich per Funk bei der Leitzentrale und lässt die Strecke sperren. Damit ist ein gefahrloses Passieren möglich.

Und zum Glück kennt er (fast) jeden. Unterwegs trifft er einen Freund an dessen Ferienhaus, der uns spontan zum Kaffee einlädt. Ich habe das Glück des Tages und anschliessend ein Lunchpaket – geschenkt bekommen von Emil, dem netten Ferienhausbesitzer! Danke!

Unterwegs wird mir der Sinn des Streckenläufers eindrucksvoll klar. 2 Felsbrocken, jeder sicher zwei Tonnen schwer, sind offensichtlich kurz zuvor aus einer Feldwand oberhalb gebrochen, haben einen Wald durchschlagen und sind unmittelbar neben der Strecke gelandet.

Einer liegt direkt an einer elektrischen Schaltstation. Passiert ist nichts, und Hans-Peter meldet den Vorfall bei der Leitzentrale.
Der Rest ist Formsache. Nach zwölf Kilometern erreichen wir – nicht hungrig, aber dafür ziemlich erschöpft und mit vielen Eindrücken – den Bahnhof Bergün auf 1.372 Meter NN, von wo es zurück nach Chur geht.

Euer Wolfgang

Lokführer Wolfgang – Bilder vom ersten Tag

Hier noch die versprochenen ersten Fotos, die Wolfgang am ersten Tag geschossen hat. Oben seht ihr ihn bei der Abfahrt mit dem Bernina-Express. Und der hier gehört einfach dazu, auch beim Zugbegleiter:

Immer wieder atemberaubend: Die Fahrt über das Landwasser-Viadukt:

Alle Fotos hat Wolfgang mit seinem iPhone geschossen, wir sind gespannt auf die nächsten. Und nicht vergessen: Die Bewerberfrist für Bergsenn und Nationalpark-Ranger läuft… (uwe)

Lokführer Wolfgang: Der erste Tag – Abfertigung, Albula und natürlich Steinböcke

Der erste Tag ist bewältigt. Fahrt als Zugbegleiter im berühmten Bernina Express von Chur nach Tirano in Italien.

Morgens kurz nach 8 geht es los. Ich treffe den Zugchef Roger, der heute nicht nur einen Umschüler zu betreuen hat, sondern auch noch mich. Und ich werde Roger in den nächsten Stunden mit Fragen löchern – diese Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen!

Lok und sechs Wagen
Doch zunächst den Zug abfertigen – und das darf gleich ich machen! Lok und sechs Wagen in einem mobilen Datenerfassungsgerät eingeben und dann den ganzen Zug mit Abfahrtsort und Fahrtziel freischalten. Abends werden diese Daten zusammen mit weiteren an die Zentrale gemeldet.

Mit dem Bernina auf 122 km durch über 50 Tunnel und über fast 200 Brücken über die zum UNESCO Weltkulturerbe zählende Albulastrecke zu fahren ist ein Vergnügen, das fast ausschliesslich von Touristen aus aller Welt wahr genommen wird. Das Ganze aus Sicht des Zugchefs mit den entsprechenden Arbeiten und Erläuterungen eines „Profis vom Fach“ mit zu bekommen, ist schon ein ganz besonderes Erlebnis: Fahrkartenkontrolle, Gäste beraten, technische Prüfung des Zuges einschliesslich Bremsenprüfung nach geschafftem Abstieg nach Tirano über immerhin rund sieben Prozent Gefälle im reinen Reibungsbetrieb (ohne Zanhradunterstützung).

Ein Höhepunkt neben eindrucksvollen Brücken (Landwasserviadukt, 360° Kehrbrücke bei Brusio) ist die Passüberquerung auf 2.253 Meter NN – hier herrscht noch Winter und in der Nacht hat es geschneit. Dagegen ist in Tirano fast schon Sommer. Nach passendem Mittagessen beim Italiener am Platz geht es am Nachmittag mit dem Gegenzug zurück nach Chur.

Ach ja, die Steinböcke „Markenzeichen des Kantons Graubünden“ am Pass oben habe ich noch vor Zugchef Roger entdeckt!

Ich freue mich auf mehr Schweiz, mehr Menschen und mehr Rhätische Bahn,

Euer Wolfgang

Kurze Anmerkung des Admins: Das Foto zeigt das Begrüßungspaket für Wolfgang, natürlich inklusive Steinbock! Fotos vom Job gibt es in Kürze.

Wolfgang, der Traumjob-Sieger und die WAZ

Gestern Abend gab es noch eine nette Rückmeldung von Wolfgang, unserem Traumjob-Gewinner Nummer 1. Der angehende RhB-Lokführer aus Unna hat schon eine erste Anfrage der Lokalpresse auf dem Tisch liegen, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) wird über seine Schienen-Abenteuer berichten – und auch über diesen Blog, in dem ihr alle Infos zum Lokführer-Job aus erster Hand bekommen werdet.

Bin gespannt, ob Wolfgangs Erlebnisse dann auch online zu finden sein werden, etwa hier, wo momentan über Auto- und Entenrennen berichtet wird. Grüße nach Unna! (uwe)